Trauma: Über das Erstarren von Lebensenergie 

Das Phänomen des Traumas begegnete mir erstmalig in meiner Ausbildung zum systemischen Aufsteller. In Aufstellungen spielt die Körperwahrnehmung eine große Rolle und als Stellvertreter fühlte ich eine eigenartige Leere in mir und um mich herum, so als ob sich das Leben in einer Art Vakuum abspielen würde. Erst durch Hinweise meines Ausbilders erkannte ich, dass ich gerade ein Trauma fühlte. Als Körperempfindung hat Trauma häufig den Geschmack von etwas Eingefrorenem, manchmal auch von etwas Glas- oder Kristallhaftem. Wichtigstes Merkmal ist der Eindruck von Starrheit und eines Nicht-Lebendigseins. Spannend fand und finde ich zudem, dass sich in Aufstellungen Traumata zu Beginn oft unbemerkt manifestieren. Das ganze beteiligte System wird starr und Emotionen sind kaum noch vorhanden. Dies kann anfangs friedlich und „in Ordnung“ wirken und es kann dauern, bis ein Trauma als solches erkannt wird.

 

Später gesellten sich Erfahrungen aus der Körpertherapie hinzu und ich fand bestätigt, dass sich ein Trauma häufig als Starrheit und einer Art Eingefrorensein von Nerven- und Muskelbereichen zeigt. Taucht diese Wahrnehmung auf, ist bereits ein erster Schritt zur Heilung vollzogen: Das Trauma beginnt, bewusst zu werden. Was vorher nicht spürbar war, wird jetzt als Abwesenheit von Lebendigsein bestimmter körperlicher Bereiche bewusst. Ein faszinierender Prozess! In darauf folgenden Heilungsphasen treten in aller Regel Strömungsgefühle in den betroffenen Körperregionen auf, die äußerst wohltuend sind. Man erkennt, wie viel psychische und physische Kraft notwendig war, die Lebensenergie gewissermaßen einzufrieren und zu binden. Mit dem körperlichen Lösungsprozess gehen parallel häufig intensive emotionale Prozesse Hand in Hand und es ist oft ganz erstaunlich zu beobachten, über welch große Eigenregulationsfähigkeit Körper und Psyche verfügen.

 

Die Traumaforschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und in einem nächsten Newsletter möchte ich etwas über den aktuellen Forschungsstand eines interessanten Themas berichten: Die Vererbarkeit von Traumata.

 

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